Freitag, 30. August 2019

Where the lion cries (13)


Entschlossen schmiss er den die Hinweise auf sein altes Leben in die noch offene Tür seines einst so toll gefundenen Autos. Das Handy, die Autoschlüssel und sein Geldbeutel. Drei riesige Steine, die ihm somit vom Herzen fielen. Ein Stein größer als der andere. Er hatte zwar nun nichts mehr am Mann, womit er sich hätte seine Freiheit erkaufen können, doch er hatte ein Stück der Freiheit zurück gewonnen, welche er sich für kein Geld der Welt hätte erkaufen können. Er stand immer noch auf dem Standstreifen der Autobahn, doch mit dem erneuten Aufkeimen, des einen Gefühles, welches er hatte, als er seinen Ausbruch sich im Kopf ausgemalt hatte. Langsam lies er die Türe ins Schloss fallen und hörte wenig später, wie das Auto sich nun von Innen verschlossen hatte. Es gab nun kein Weg zurück mehr, dort vorne winkte die Zukunft, ob es eine schöne oder eine schlechte Zukunft wird, das hatte er nun selbst in der Hand. Das einzige, was er nicht mehr in der Hand hatte, war das Verändern seiner Vergangenheit. Ihm kam dazu ein Abschnitt des Textes der Band Oasis ins Gedächtnis: „You never change, whats been and gone“. Eine Zeile, die ihm wie keine andere im Gedächtnis blieb. Nach langem Nachdenken bemerkte er, dass er nun eigentlich überhaupt keinen Grund mehr hatte noch auf dem Standstreifen neben seinem alten Leben zu stehen und so ging er zur Leitplanke und wollte gerade darüber springen, als er sich noch einmal in die Richtung seines Autos schauen musste. Irgendwie sah sein Auto nun ziemlich kläglich aus. Es beschrieb das Bild eines Mannes, welcher sein Selbstvertrauen durch sein Auto bezog. Doch was war er ohne seinen motorisierten Untersatz? Was stellte er als reiner Mann dar? Was blieb am Ende übrig. All das wollte er nun heraus finden.

Freitag, 23. August 2019

Where the lion cries (12)


Der Schrei ging ins Leere, niemand antwortete. Was sollte er nun tun? Sollte er den Abschleppwagen holen und sein kurzes Abenteuer beenden, ein Hotel suchen und seinem ehemaligen Vermieter anbetteln ihm die Wohnung wieder zu geben, um anschließend wieder in den selben Alltag, der ihn so unglücklich gemacht hatte zurück zu fallen? NEIN, ein ganz entschlossenes NEIN, ein NEIN das er nicht zurück nehmen will gefolgt von einem „Auf gar keinen Fall“, welches drei Ausrufezeichen hatte. Er hatte die Nase gestrichen voll, von den Lehrern, die immer nur das eine Thema im Kopf hatten, von den Schülern, die zu dumm waren, um irgendein Thema im Kopf zu behalten, von den Eltern, welche nur ihren Sohn oder ihre Tochter als Thema hatten von seinen Freunden, die nur an das Saufen dachten und nach dem sechsten Bier sich über die Welt beschweren, welche sie noch nicht ansatzweise gesehen hatten.
Er war ihnen in vielem ähnlich, aber in einem nicht: Er wollte ganz sicher nicht so enden, wie sie. Niemals, er wollte seine Sehnsucht befriedigen, die Sehnsucht mehr zu sehen, als nur die eigenen vier Wände und die Arbeit. In dieser Welt, in der es nur noch um den eigenen Profit geht, hatte er das Gefühl, dass etwas entscheidendes verloren ging, etwas das größer als er selbst war, etwas das größer als alle Menschen war.

Freitag, 16. August 2019

Where the lion cries (11)


Dann ließ es einen satten Knall… Das war es wohl auch dann mit dem Auto. Aus dem Motor kam Rauch, und die Geschwindigkeit wurde unfreiwillig gedrosselt. Das Auto kam nach einer kurzen Strecke komplett zum Stehen, er konnte gerade noch das Auto auf den Standstreifen lenken und entkam nur knapp einer Kollision mit einem LKW. Dieser Hupte und fuhr vorbei. Der Motor war aus und er hörte nur noch die Autos, welche an ihm vorbei fuhren und die Balladen, welche aus den Lautsprechern klangen. Irgendwie war er nicht mehr in Stimmung für Musik und er war auch nicht mehr in der Aufbruchsstimmung, in der er sich noch vor wenigen Stunden befunden hat. Ein Mann ohne Heimat und ohne Auto, ist wohl ein sehr rastloser Mann. Den Ort, den er sein zu Hause genannt hatte, war schon lange nicht mehr sein zu Hause, doch da war er wenigstens nicht obdachlos gewesen. Nun kam die Verzweiflung in ihm hoch, er stieg aus, knallte die Auto Türe so laut zu, dass er auch den Krach der Autobahn übertönte er trat gegen die Reifen und sein Nummernschild. „Was verdammt noch mal, um alles in der Welt, mache ich hier?“ Und warum kann man sich auf Autos nie verlassen, wenn man sie brauch? Scheißdrecks, verfickte, Technik!!!!!“

Freitag, 9. August 2019

Where the lion cries (10)


Vor lauter Nachdenken bemerkte er gar nicht, wie die Zeit verging und mit jeder Sekunde die Entfernung, zu dem, was er sein Zuhause genannt hatte, größer wurde. Die Fesseln seines alten Lebens vielen langsam ab und es kam ihm einer Erlösung gleich. Sein Herz und sein Geist konnten zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder aufatmen und das machten sie auch. Seine traurige Mimik, die er noch am Anfang seiner Reise, da er sein Heim verlassen hatte, aufgesetzt hatte, verwandelte sich von einem verschmitzten Lächeln in ein breites Grinsen. Es war sogar so ein Grinsen, bei dem jeder Polizist sofort einen Alkohol- und Drogentest gemacht hätte.
Er setzte seine Sonnenbrille auf, legte seine krasseste Mucke ein und beschleunigte seine Fahrt. Die Lieder pletscherten vor sich hin und je nach Song fuhr er schneller oder langsamer. Währenddessen verwandelte sich der Himmel von einem tiefen Blau langsam zu einem Farbverlauf aus Blau und orange. Die Lichtstrahlen die hinter dem Horizont noch hervor funkelten verwandelten das Panorama in ein Bild bei dem sofort jeder Maler seine Leinwand hervor holen würde, um es für die Ewigkeit festzuhalten. Doch die Zeit blieb leider nicht stehen und so nahmen die Lichtstrahlen ab und es wurde dunkler und dunkler. Die tollen Lieder nahmen ab und es kamen zwischen den Gute-Laune Songs des Nachmittags immer mehr Balladen hinzu. Auch das euphorische Gefühl veränderte sich langsam und er begann mehr und mehr zu realisieren, was er da so plötzlich beschlossen hatte. Er hatte nichts mehr, außer dem was er noch am Mann trug und sein Auto.

Freitag, 2. August 2019

Where the lion cries (9)


Er lief zurück zu seinem Auto, welches in der Sonne glitzerte, es war mittlerweile früher Nachmittag und er wusste weder der Ort an dem er heute Nacht übernachten würde, noch der Ort, an dem sich das Ziel seiner Reise befand. Eine große und schwere Frage, ein Wort brannte in fetten Großbuchstaben in seinem Hirn: WOHIN? Was wollte er tun, wo wollte er hin? Sollte er bei Freunden übernachten? Mhm nein… Sollte er vielleicht bei seinen besorgten Verwandten übernachten? Oh mein Gott, niemals…
Er machte aus Verzweiflung das Radio seines Autos an und plötzlich verdrängte ein dickes Fettes „Au revoir“ das Wort „Wohin“. Er setzte seine Sonnenbrille auf und suchte das weite. Weg von all den Sorgen, die er als Lehrer gehabt hatte, weg von all den Dingen, die ihm an seinem alten Leben gestört haben, weg von dem Dreckswetter, das an 300 Tagen im Jahr sein Höhepunkt über seiner Wohnung fand. Weg von den doofen Schülern, die ihm mit nervigen Fragen und schlechten Noten das Leben schwer machten. Hin zu einem neuen Leben… Was heißt eigentlich neu? Hin zu seinem ersten Leben, zu seinem richtigen Leben.
Er verließ die Stadt, er fuhr einfach gerade aus, weg von seiner alten Heimat. Weg, immer weiter weg, Minute für Minute und Stunde für Stunde, je mehr Kilometer er hinter sich lies, desto besser fühlte er sich. Doch noch immer war eine Frage ungeklärt: Wohin?
Er fuhr einfach weiter und auf einem viel es ihm wie Schuppen von den Haaren: Er wollte nicht in Deutschland bleiben, er wollte was erleben, er wollte Orte sehen, an denen noch keine Menschen-Seele war, er wollte Dinge erleben, die noch kein Mensch vor ihm erlebt hat, er wollte über Sachen staunen, über die noch kein anderer Mensch gestaunt hatte. Ja, er wollte dorthin, wo die Löwen sogar vor Sehnsucht weinten.

Freitag, 26. Juli 2019

Where the lion cries (8)


Die Sonne brannte auf den von Leder überzogenen Autositz, die Vöglein zwitscherten und die Schatten von den Bäumen der Allee wanderten an ihm vorbei als er das Schild mit der Aufschrift seines Zielortes sah…. So stellte er sich jedenfalls vor, wie es sich anfühlte endlich angekommen zu sein. Doch gab es da noch einige Fragen zu klären, zum Beispiel, was war sein Ziel? Befand es sich noch in Deutschland oder war es vielleicht irgendwo am anderen Ende der Welt? Ihm wurde plötzlich bewusst, was er da eigentlich wirklich getan hatte. Er hatte sich von einem Menschen mit Beruf und Haus zu einem obdachlosen Herumtreiber gemacht. War das ein neuer Rekord? Innerhalb von 24 Stunden so tief zu sinken? Er notierte sich diese Frage auf seiner Liste, welche mit Dingen gefüllt war, die es zu überprüfen galt. Doch dann wurde ihm bewusst, dass das die einzige Sache war, welche er, abgesehen von seinem Auto und seinem Geld in sein neues Leben mitnahm. Er schaute unschlüssig auf die Liste und wurde dabei schon fast nostalgisch. Die Einträge gingen zurück, bis auf das Jahr 2011, als er gerade frisch in dem Beruf hinein gekommen ist und voller Elan hingeschrieben hatte, dass er heraus finden wollte, wie er als Lehrer Lehrerinnen herum bekommen konnte. Die traurige Tatsache war, dass er es in über 5 Jahren kein einziges Mal hinbekommen hatte. Selbst die altmodisch gekleidete Religionslehrerin, die immer mit ihrer geschulterten Accoustic-Gitarre herum lief, hatte ihn eiskalt abblitzen lassen. Das war nicht fair, selbst die hässlichsten Typen bekamen irgendwie eine Frau, nur er nicht. Er ging zum Mülleimer, zerknüllte den Zettel und schaute ihm nach, wie er langsam auf den Haufen Kippen-Stummeln viel.

Freitag, 19. Juli 2019

Where the lion cries (7)

Plötzlich ging alles so schnell, er hatte sein Hab und Gut einfach in einen Container verfrachtet und die Wohnung gekündigt. Dann ging er ans Telefon und sagte seinem Chef mal so richtig die Meinung, bis er bemerkte, dass es sein 12 Jähriger Sohn war, der an das Telefon rangegangen war und nun schluchzend antwortete: „Ich geb Ihnen mal mein Papa!“. Schnell legte er auf, naja, eines war sicher, jetzt hatte er definitiv nächste Woche seine Kündigung im Briefkasten. Die hatten aber auch die selbe Stimmlage.
Als er sich in seinem leeren Appartement um blickte und er bemerkte, wie viel Platz man hatte, wenn nichts darin war, lachte er. Es war ein unglaublich befreiendes Lachen, eines, das er wahrscheinlich noch nie gelacht hatte. Als er an der Tür stand und ein letztes Mal hinein blickte, kamen ihm ein paar Erinnerungen hoch, doch es waren irgendwie kaum schöne. Zu Guter Letzt nahm er seinen ganzen Mut zusammen und schrie in das Appartement: „ Tschüss Schatz, wir müssen uns leider trennen, bin dann mal weg.“ Seine imaginäre Frau antwortete nicht, typisch Weiber.
Er schmiss seinem Vermieter gegenüber den Schlüssel in den Briefkasten und hüpfte in sein Auto.